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Von wegen „Stille Nacht''
Neustadt, 26.12.2009: Weihnachten mal bluesig statt besinnlich: Beim „Christmas Jam" des Neustadter Jazzclubs am Samstag im „Steinhäuser Hof" standen die „lebende Musikbox" Olli Roth und der Neustadter Pianist Rainer Klundt erstmals gemeinsam auf der Bühne.

Das Konzert war zustandegekommen, als Klundt im Sommer bei einem Gastspiel Roths im Publikum saß. Hanno Rinck, Jazzclub-Vorstandsmitglied und Inhaber des „Steinhäuser Hofs", vermittelte das gemeinsame Konzert der Musiker, die schon lange mal öffentlich zusammen musizieren wollten, aber noch nie die passende Gelegenheit gefunden hatten. Mit der Wilson-Pickett-Nummer „Mustang Sally" legten die beiden gleich mächtig los, wobei Roth (Gitarre und Leadgesang) sich bereits als „Motown-Olli" beweisen konnte: „Schwärzer" als er kann ein Weißer diesen Titel eigentlich nicht mehr singen.

Zusammen geprobt hatten Roth und Klundt im Vorfeld nicht. „Wer probt, hat"s nötig", stellte Roth fest, und Klundt meinte dazu: „Olli hatte keine Zeit und ich keine Lust." Trotz dieses Handicaps kam ein ordentliches Konzert zustande - ein klarer Beweis für die Klasse der Akteure. Eine halbe Stunde vor Beginn hatten sie rund 20 Stücke aus dem schier unerschöpflichen Repertoire Roths ausgesucht. Weitere Absprachen waren nicht nötig, denn beide sind schon sehr lange im Geschäft. Olli Roths musikalische Laufbahn dauert inzwischen 32 Jahre an, im „Steinhäuser Hof" absolvierte er seinen 246. Auftritt in diesem Jahr. Neben seiner Solokarriere ist er Mitglied der Gruppe „Groove Incorporation" und in der Band von BAP-Schlagzeuger Jürgen Zöller.

Rainer Klundt feiert als die eine Hälfte des Musikkabarett-Duos „Twotones" Erfolge und war früher unter anderem als Keyboarder der international erfolgreichen Krautrockband „Message" bekannt. Beiden gemeinsam ist ihre Bekanntschaft zur Mannheimer Jazzsängerin Silke Hauck, mit der sie unabhängig voneinander ab und zu auf der Bühne stehen, und ihre Liebe zu Blues, Soul, Pop und Rock, der sie freien Lauf ließen.

Roth erweckt die Illusion, eine weitaus größere Band wäre auf der Bühne. Denn seine „Loop Station", in die er vor den meisten Stücken sich wiederholende Rhythmen einspielt, gibt ihm die Möglichkeit, mit seiner Gitarre die Melodieführung darüber zu spielen. Klundt beschränkte sich meist darauf, das Ganze mit seinem Klavier zu begleiten, die zweite Stimme zu singen, und ab und zu schöne, virtuose Piano-Soli einzustreuen. Nachdem er während der ersten Hälfte noch beinahe „brav" gespielt hatte, überzeugte er in der zweiten Hälfte umso mehr mit groovenden Boogie-Woogie-Klängen. Bei der sehr stark durch die Ike- und Tina-Turner-Version beeinflussten Version von „Proud Mary' machte er sich zu einem ausufernden musikalischen Alleingang auf. Besonderen Beifall erhielten er und sein musikalischer Partner für ihre beinahe nicht enden wollende Interpretation von „Papa Was A Rolling Stone" und dem Eagles-Klassiker „Desperado", bei dem im Saal beinahe andächtige Stille herrschte.

Weitere Höhepunkte waren eine flippige Version von „Kiss" (Prince), die Roth teilweise mit hoher Falsettstimme vortrug, und der Piano-Song „Have a Little Faith In Me" von John Hiatt, der beiden die Gelegenheit gab, sich als gefühlvolle Rocker zu präsentieren. Erst nach zwei längeren Zugaben durften die Ausnahmemusiker unter rauschendem Beifall die Bühne verlassen und ihren von sehr viel Spontaneität geprägten „Christmas Jam" beenden.

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Das schreibt die Presse

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