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Fasziniation Gypsy Jazz - Kulturprofil: Frank Markus hat eine riesige Django-Reinhardt-Sammlung zusammengetragen und eifert seinem Idol auch musikalisch nach
Neustadt. Laut Wikipedia bezeichnet „Sammeln" die systematische Suche, Beschaffung und Aufbewahrung von Dingen oder Informationen. Was hier so nüchtern umschrieben ist, lässt aber keine Rückschlüsse auf die Gefühle zu, die einen Sammler überkommen, wenn er hört, dass irgendwo ein Objekt seiner Begierde angeboten wird. Der Neustadter Frank Markus ist so ein leidenschaftlicher Sammler. Für ihn ist, neben Beruf und Familie, der Sinti-Jazz, und hier insbesondere die Musik von Django Reinhardt, zum Lebensinhalt geworden.

In seiner Wohnung in der Metzgergasse hortet der 46-jährige Geschäftsführer eines Softwarehauses alles was in irgendeiner Beziehung zu Reinhardt, dem früh verstorbenen Vater des europäischen Jazz, steht. Dabei war seine musikalische Orientierung früher einmal ganz anders gelagert. Markus wuchs ihn Niedersachsen auf, begann mit zehn Jahren eine klassische Gitarrenausbildung und war 1976 sogar bei „Jugend musiziert" erfolgreich. Dann entdeckte er die Rockmusik für sich und spielte in den unterschiedlichsten Bands die Songs von „Deep Purple", „Black Sabbath" und anderen Hardrock-Heroen nach. Sein Beruf führte ihn 2004 schließlich in die Pfalz.

Mit Jazz und Zigeunerswing kam er bis dahin nur selten in Berührung, und wenn, dann war ihm diese Musik damals, auch aufgrund ihrer Instrumentierung, einfach zu altbacken. Das änderte sich als er eines Tages den französischen Sintimusiker Biréli Lagrène live erlebte. Dessen zeitgemäße Art, die Musik Django Reinhardts zu interpretieren, traf Markus mitten ins Herz. So etwas hatte er bis dahin noch nie gehört: Die komplexen Akkorde waren Markus, der ja seit 30 Jahren Gitarre spielte, völlig fremd, die Anschlagtechniken, die der im Elsass geborene Lagrène verwandte, waren komplett anders als im Rock, und auch beim Solospiel legte der Sintigitarrist eine unglaubliche Virtuosität an den Tag. So wollte der diplomierte Geograph und Hobbymusiker Frank Markus künftig auch spielen.

Als er diesen Entschluss fasste, ahnte er noch nicht, wie nachhaltig dies sein Leben beeinflussen sollte, denn damit legte er unbewusst den Grundstein für seine heute so umfangreiche Sammlung. Zunächst tat er das naheliegendste und kaufte sich CDs von Lagrène. Dabei stellte er schnell fest, dass die meisten Stücke die er zu hören bekam, von Django Reinhardt stammten. Es dauerte nicht lange bis ihn das Reinhardt-Fieber vollständig ergriffen hatte.

Daneben begann er, sich auch für die Geschichte der Sinti und Roma zu interessieren, suchte und las Bücher, die sich mit der Materie auseinandersetzen und fing so ganz nebenbei an, alles zu sammeln was in irgendeiner Form mit dem Thema zu tun hat. Schon bald stapelten sich Zeitschriften, CDs, DVDs, Plakate, Poster, Biografien, sogar Kinderbücher und Briefmarken mit dem Konterfei des berühmten, 1953 verstorbenen Manouches im Hause Markus. Nebenbei verfeinerte der Wahlneustadter sein Gypsy-Jazz-Gitarrenspiel immer mehr und gründete 2006 sein erstes eigenes dieser Richtung zugewandtes Ensemble, „Swingadje". Ein Jahr vorher war er dem Verein „Hot Club News" beigetreten, der es sich zur Aufgabe gemacht hat für „den Erhalt des kulturellen Erbes von Django Reinhardt" einzutreten.

„Sintimusik sammeln bedeutet für mich nicht nur 'Hardware' in den Händen zu halten, sondern auch Ideen und Wissen um das Volk der Sinti und Roma zu archivieren!", erklärt Frank Markus, der auch seit einigen Jahren das Django-Reinhardt-Memorial-Festival in Augsburg mitorganisiert, das das älteste und größte seiner Art in Deutschland. Und natürlich hat die Mitgliedschaft in dem Verein auch den Umfang seiner Sammlung weiter anschwellen lassen. Den deutschen Markt hat Markus nach eigenem Bekunden inzwischen vollständig abgegrast, aber international gibt es immer noch Neues zu entdecken.

Frankreich, und hier insbesondere die Flohmärkte in Paris sind dabei ein Mekka. Mehrmals im Jahr pilgert das wandelnde Reinhardt-Lexikon dorthin, um mit möglichst viel neuem Material zurückzukommen. Einmal, so berichtet er stolz, fand er dort zu einem günstigen Preis eine Fotoserie, die aus 100 Bildern seines Idols bestand. Wie viel die genau gekostet haben, kann er heute nicht mehr sagen, und darüber will er auch nicht reden, aber seine mehr als 1000 Exponate umfassende Kollektion (wobei eine Bilderserie wie die eben erwähnte als ein Posten zählt) stellt für Django Reinhardt-Fans natürlich einen unbezahlbaren Wert dar.

Sein Beruf führt Markus auch mehrmals im Jahr in die USA, wo er sich inzwischen selbstverständlich auch schon in Sachen Reinhardt umgesehen hat. In San Diego erstand er eine typische Django-Reinhardt-Gitarre (mit eingebautem Resonator), die dem bekannten elsässischen Sinti-Gitarristen Dorado Schmitt gehört hat. Frank Markus ist aber keiner von denen, die ihre Sammlerstücke verstecken. Im Gegenteil, auf den Tag genau zum 100. Geburtstag seines Idols, am 23. Januar, veranstaltete er unter Verwendung seiner angehäuften Schätze im „Steinhäuser Hof" in Neustadt eine Django-Reinhardt-Multimedia-Show mit Live-Musik seiner aktuellen Formation „Swing-O-Mania" (wir berichteten). Die stieß dabei auf so viel Interesse, dass sie am 6. März an gleicher Stelle wiederholt wird. Zu sehen ist sie außerdem demnächst auch noch an zehn weiteren Orten in Deutschland.

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